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SCHON GEHÖRT?

Hipp, Hipp, Hurra!

Montag, 15. Juni 2015

„The pursuit of happiness“ ist neben dem Recht auf Leben und Freiheit eines der drei Grundrechte, die die Väter der amerikanischen Verfassung für „inherent and inalienable“ hielten. Ein Teil der Natur des Menschen also, der nicht in Frage gestellt oder gar veräußert werden darf. Ein schönes Wort, das „inalienable“. Warum schauen wir hier überhaupt auf die Amis? Nun ja, das „Streben nach Freude“ – wir finden diesen Ausdruck treffender als das oft in der Übersetzung gebrauchte Streben nach Glück – ist bisher in Deutschland weder in der Verfassung noch in der politischen Diskussion groß angekommen. Wird sich der aktuelle Bürgerdialog „Gut Leben in Deutschland“ in diese Richtung entwickeln? Oder wird dem Volk wieder nur ein neuer Papiertiger zur Schau gestellt?

Wie dem auch sei: Es war höchste Zeit, dass sich die Innovationsmanufaktur als selbst ernannte Vorausdenkerin und Gestalterin einer guten Zukunft einmal etwas gründlicher dieses Themas annimmt. Daher haben wir den 18. Februar zum „Tag der Freude“ ernannt und mit einem explorativen Event zelebriert; mit Praktikern und Theoretikern, Ingenieuren und Soziologen, Erbsenzählern und Clowns. Es gab einen Sinnes- und einen Testparcours (kann man Freude „erfahren“?), Freude an Mobilität, Freude für nachhaltige Entwicklung und die Gestaltung eines „Ortes der/für Freude“ gehörten zu den zentralen Themen.

Ich selbst hatte eine hohe Vor-Freude auf diesen Event: Ein mir sehr wichtig erscheinendes Thema, das auch in der öffentlichen Wahrnehmung an Bedeutung zunimmt, erschlossen über eine Vielfalt theoretischer und praktischer Aktivitäten, im Kreise von Personen, denen ich eine hohe Wertschätzung gegenüberbringe und in deren Beisein ich Freude empfinde – was kann es freudvolleres geben?

Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt?

Der Tag war toll, aber auch einer der anstrengendsten in meinem Leben; ein Wechselbad der Gefühle, mit großartigen Momenten, aber auch mit einem zähen Ringen um Konkretes. Ja, Deutschland tut sich tatsächlich schwer mit Freude; in schrecklicher Vermutung auch ich selbst. Grillparzer sagte angeblich einmal, wenn ein Deutscher ins Paradies käme, würde er vorher eine Schulung dafür haben wollen. Wir organisieren einen Tag rund um Freude, und dennoch ist nicht rundum Freude. Was können wir lernen? Oder ist das auch schon wieder die falsche Frage?

Im Folgenden sind einige Erkenntnisse zusammengefasst:

  •  Freude ist weder selbstverständlich noch ein Selbstläufer. Genauso wie man Genießen lernen und üben muss, scheint dies mit vielen Facetten der Freude auch so zu sein.
  •  Was genau ist Freude, und warum ist der „pursuit of happiness“ sinnvoll/gerechtfertigt? Solche Fragen dominierten einen Teil der Diskussion. Dass die Beschäftigung mit der ersten Frage sinnvoll ist, gerade für uns, die wir ja Zukunft mit mehr Freude gestalten wollen, leuchtet ein. Aber bei der Beschäftigung mit der zweiten Frage kann einem schnell die Freude vergehen.
  •  Der Sinnesparcours zu Freude war zwar zum Teil tatsächlich Freude, aber in seiner Gänze nicht wirklich befriedigend. Sind wir hier selbst der Analyseritis aufgesessen? Freude riechen, schmecken, fühlen, … das zentrale Element scheint nicht all das, sondern ein ganzheitliches Erleben und Empfinden zu sein.

Ist dem Leser die Freude schon vergangen? Nicht doch, bitte, so schnell wollen wir nicht aufgeben. Wie also kann man Freude mehren?

  • Wichtig ist sicher, dass man Menschen abholen muss; bei ihren Erwartungen, Interessen, Dispositionen, Einstellungen, Bedürfnissen. Ihrer Verfasstheit, könnte man sagen. Da man das nicht für alle individuell planen kann, muss man Gruppen, Typen, Milieus erkennen, definieren und formulieren.
  • Ein weiterer Ansatz ist sicher der, unverbindliche Angebote für das Empfinden von Freude zu schaffen. Diese können genutzt werden oder auch nicht, je nach Typ, Gefühl, Situation.
  • Eine wichtige Erkenntnis der Diskussionen war, dass es eine große Freude sein kann, Freude zu verschenken. Freude ist also ein Lebensbereich, der unter Kapitalisierung massiv leiden würde: Wegen der hohen Bedeutung der sozialen Interaktion kann man langfristig vielleicht Genuss käuflich machen, wohl aber nicht Freude.

Wiedersehen macht auch Freude

Und noch einmal zur Rechtfertigung von Freude, auch wenn diese weiter oben per se in Frage gestellt wurde: Ein Mehr an der Fähigkeit und Praxis zum gemeinschaftlichen Erleben von Freude ist ein wesentlicher Schlüssel zur Stärkung nachhaltiger Entwicklung. So spart gemeinschaftlich erlebte Freude Ressourcen und macht Konsum oft unnötig, zum Beispiel spart die gemeinschaftliche Nutzung von Mobilitätsangeboten erheblich an Infrastruktur und Energie. Ein gelebtes Gemeinschaftsgefühl ist das aber auch beste soziale Sicherungssystem. In einer gesunden Gemeinschaft gibt es weniger (seelische und körperliche) Krankheiten, ständige körperliche und geistige Anregung und auch von extern eine effizientere Betreuung und Versorgung. Die Einstellung für eine Nachhaltigkeitsorientierung in vielen Bevölkerungsgruppen kann daher positiv belegt werden, weg vom Image des Verzichts und der Einschränkung hin zu mehr Lebensqualität und Freude.

Was bleiben soll von den Betrachtungen ist ein leidenschaftliches Plädoyer für einen starken Fokus gesellschaftlicher Anstrengungen auf ein Mehr an Ermöglichung von Freudeempfinden bei Mensch und Gesellschaft. Wir wären aber nicht die Innovationsmanufaktur, wenn wir uns auf Plädoyers beschränken würden – wir bleiben auch mit Taten an dem Thema Freude dran! Zum Beispiel bei der Tagung „Regionalpark Open“ in Frankfurt am 25. Juni. Die wird von unseren Partnern von der Frankfurt University of Applied Sciences organisiert und steht unter dem Thema „Freude an Mobilität“. Neben einer Keynote von Fozzy wird es andere Vorträge zu Best Practices sowie Workshops zu verschiedenen Einflussfaktoren auf das Erleben von Freude an Mobilität geben.

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