Deutsch
English

Let’s do Future.

NEWS

SCHON GEHÖRT?

Der weise Fu-Shi

Mittwoch, 17. Februar 2016

Im letzten Newsletter wurde schon erzählt, dass sich Fu Shi, bevor er sich an tatsächliche Weissagungen herantrauen würde, zuerst auf eine Reise durch die Welt begab. Eine Walz auf der Suche nach der Weisheit. Verbunden mit Flugmeilen, die das Klima enorm belasten. Ist so etwas weise? Dieser Frage wird er sich früher oder später stellen müssen.

In der Zwischenzeit ging die Walz weiter in den Süden Afrikas: Mal jemand ganz anderen über Weisheit zu befragen schien ihm eine gute Idee. „Oh“, sagte ihm eine der  Chefinnen eines Handwerkermarkts. „Bei uns in Zambia braucht die Suche nach der Weisheit im Ältestenrat viel Zeit.“ Ja, richtig, dachte Fu Shi. Ihm schauderte bei dem Gedanken, unter welchem Zeitdruck heute Meinungen gemacht, Zukunftsentscheidungen gefällt werden. Der Großteil der Finanzströme wird  sogar von Computern gelenkt; im Wettbewerb um Nanosekunden, die man sich näher  an der Wallstreet positioniert. Selten war die Welt wohl so weit von Weisheit  entfernt.  „Und auf die wichtigen Fragen kann sowieso nur Gott die Antworten geben.“ Fu Shi wurde neugierig. Denn wenn es stimmt und Gott in Zambia die Antworten gibt; wie werden diese für konkrete Themen der heutigen Zeit gehört und übersetzt? Und woanders? Selbst innerhalb verschiedener Religionen gibt es keinen einheitlichen Weg; der Buddhismus kommt gar ohne eine Gottfigur aus. Religionen verfolgen darüber hinaus oft einen Absolutheitsanspruch, der auch heute noch für viele Kriege und Unheil auf dieser Welt verantwortlich ist. Krieg und Absolutismus widersprechen nun aber ganz sicher der Weisheit. Eine naheliegende Konsequenz aus solchen Überlegungen ist, dass Weisheit auf jeden Fall nirgends absolut kodiert, sondern allenfalls spezifisch vorhanden ist und zum Beispiel für Zukunftsthemen neu erarbeitet werden muss. Wer macht dies nun? Dafür geeignete Personen und Institutionen wie der Ältestenrat? Oder „kann“ jeder Weisheit? Im Sinne der Aufklärung sollte ja jeder selbst denken und entscheiden können und dürfen, dafür haben unter anderem Luther, Lessing, Goethe, Kant und Humboldt gekämpft. Ob diese Entscheidungen dann aber immer auch weise sind? Das ist alles andere als wahrscheinlich.

Boah, sich auf einen Streich mit Großkapital, Religion, Demokratie und  Internet anzulegen, bevor er auch nur irgend eine „Weisheit“ selbst formuliert hätte, hatte Fu Shi nicht erwartet. Wahrscheinlich tut sich die Welt auch deshalb so schwer mit dem Konstrukt. Auch Fu Shi hat derzeit mehr Fragen als Antworten. Wie entsteht denn nun Weisheit; vor allem, durch wen? Muss er selbst weise sein, um darüber zu sinnieren und zu schreiben? Kann man auch gezielt lernen, weise zu werden? Und doch bleibt Fu Shi dran am Thema; in der Überzeugung, dass Weisheit irgendwie wichtig sein muss zur Zukunftsgestaltung. Und er hat, trotz aller offenen Fragen, dazugelernt. Weise Empfehlungen brauchen Zeit. Und sie sind keinem System, sei es religiös, spirituell, sozial, ökonomisch oder technisch inhärent. Weises zu neuen Themen muss also immer von dafür irgendwie geeigneten Personen entwickelt werden.

Wenn all das auch nur annähernd stimmt und Weisheit gleichzeitig, wie beim letzten Mal definiert, die ideale Rationalität für ein langfristig auf Mensch und Gesellschaft ausgerichtetes Handeln ist, muss auch über Innovation und Zukunftsgestaltung auf jeden Fall (auch) ganz anders nachgedacht werden als heute. Fu Shi ist auf einmal ganz müde – aber er beschließt, bis zum nächsten Mal der Frage auf den Grund zu gehen, wie eine Weisheit entstehen kann, die für Zukunftsgestaltung sinnvoll und nützlich ist. Wenn er hierfür keine Lösung findet, wird er wohl Mönch bleiben müssen…

<- Zurück zu: News