Deutsch
English

Let’s do Future.

NEWS

SCHON GEHÖRT?

Aktiv durch die Corona-Zeit: Wie Mitarbeiter gesund und leistungsfähig bleiben

Montag, 04. Mai 2020

Disclaimer: Die folgenden Ausführungen wurden mit einer Vielfalt an Experten diskutiert. Sie sind aber in keiner Hinsicht wirklich abgesichert und können dies in der derzeitigen Erkenntnisdynamik auch gar nicht sein. Der Dringlichkeit des Anliegens entsprechend habe ich trotzdem dieses Positionspapier verfasst; die Anregungen und Empfehlungen sind aber „ohne Gewähr“…

Prävention ist aktuell von noch größerer Bedeutung als in „normalen“ Zeiten!

#StayAtHome ist derzeit wichtig zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus. Aber es ist nicht gesund, sich lange zu Hause einzusperren; mit Home Office oder Kurzarbeit. Und selbst wer noch zur Arbeit geht steht bei geschlossenen Sport- und Begegnungsstätten vor großen Herausforderungen, seine „normale“ Dosis an Bewegung zu erhalten. Dabei ist diese jetzt umso wichtiger zur Stärkung der Immunabwehr und zum Erhalt der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.

Rahmenbedingungen, die jetzt besonders zu beachten sind!

 Bei jeglichen sportlichen und unsportlichen Aktivitäten sind die aktuellen Regeln und Gebote der Rücksicht und Vorsicht unbedingt zu beachten:

  • Der Abstand zwischen Menschen jenseits des Haushalts oder der Partnerschaft / Familie sollte eineinhalb bis zwei Meter betragen. Dabei verbreiten Prusten, Husten- und Niesanfälle Tröpfchen auf deutlich größere Entfernung; Rücken an Rücken kann der Abstand auch geringer sein. Usain Bolt geht hier mit gutem Beispiel voran.  
  • Das Tragen einer Maske schützt nicht einen selbst, kann aber andere schützen. Daher gilt mittlerweile ja auch in ganz Deutschland eine Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen, also Läden, Bussen, etc. Stoffmasken kaufen, selber machen, oder Schals umfunktionieren ist hier die Devise: Gerade medizinische Masken dürfen nicht denen weggenommen werden, die sie dringend benötigen. Auch sollten Träger sich durch Masken nicht in falscher Sicherheit wiegen. Darüber hinaus sollte man Masken möglichst wenig berühren.
  • Auch wenn eine Übertragung des neuartigen Coronavirus über Oberflächen noch wenig beobachtet wurde, ist auf Desinfektion in besonderem Maße zu achten.
  • Die Belastungsintensitäten im Sport sollten jetzt nicht so hoch werden, dass die Gefahr von Entzündungen erheblich ansteigt. Im Gegenteil sollten wir alles tun, um unser Immunsystem zu stärken.
  • Verletzungen sollten unbedingt vermieden werden, um die Gesundheitssysteme nicht noch zusätzlich zu belasten. Deshalb sollten aktuell keine Aktivitäten durchgeführt werden, die mit einem mittleren oder gar höheren Risiko verbunden sind.
  • Vor und nach dem Sport sind fallweise angemessene Maßnahmen zum Infektionsschutz durchzuführen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Objekte aller Art trotz gegenläufiger Empfehlungen von mehreren Personen genutzt werden sollten.

Aktiv draußen: geht mit Abstand, aber geht!

Sport und Bewegung draußen ist derzeit allein oder im Kreis der Familie erlaubt und sinnvoll. Radfahren, Joggen, Rudern und wenig anspruchsvolles Wandern (jeweils bei Einhaltung von Distanz zu „Fremden“) sollten unproblematisch sein. Die ganz Harten können weiterhin im See oder Meer schwimmen; wer durch das Wetter am Eis- oder Langlaufen gehindert wird, sollte die Inlineskates auspacken. Sinnvoll sind auch Aktivitäten wie Yoga, Jonglieren, Handstandtraining, … natürlich unter Berücksichtigung der aktuellen Regeln und der oben aufgeführten Vorsichtsmaßnahmen. Dabei müssen letztere die gesamte Aktivitätskette betreffen; also bitte nicht im Massenbus zum einsamen Wandern fahren.

Digital motiviert und trainiert: Sportartsimulatoren, Physical E-Sports und Digital Coaching

 Wenn das Wetter absolut nicht nach Draußen einlädt, kommen spätestens jetzt die verschiedenen „alten“ und neuen Medien zur Geltung, die Training auch zu Hause oder im gerade kaum genutzten Besprechungsraum ermöglichen:

  • Die modernen Kommunikationstechnologien machen Animationen oder auch klassische Formen des Coachings virtuell immer besser möglich. Die Bandbreite hier ist riesig: Von der YouTube-Animation zu nahezu allen Bewegungs- und Trainingsformen über reale Trainer als Telefon-/Skypejoker bis hin zur Nutzung moderner Plattformen und Sensoren zur Sportler-Trainier-Interaktion.
  • Alternativ sind auf YouTube oder Instagram eine große Menge an Workout-Videos von bekannten Sport- und Fitness-Influencern, sogar von der Polizei Osthessen, zu finden.
  • Wer es machen will wie die Profi-Sportler, nutzt Getränkedosen, wie zum Beispiel Alex Vinatzer oder Henrik Kristoffersen, oder baut auf dem Weg in den Pyjama neue Hürden ein, so wie Simone Biles.
  • Wenn sich noch keine Trainingsapps auf dem Smartphone befinden, dann könnte man das jetzt in die Wege leiten. Für Viele sind die gemeinsame Zielsetzung und der Vergleich zu anderen der beste Weg, den inneren Schweinehund vom Sofa zu bekommen. Die Alternative ist ein offline oder online Trainingstagebuch; auch das kann täglich mit Partnern, Freunden und Familie abgeglichen werden.
  • Auch Trainingsgruppen können über Internet organisiert werden. Angeleitete Gleichgewichtsübungen mit dem Pömpel machen in der virtuell zusammengesetzten Gruppe mehr Spaß; auch Selbsthilfe-Yoga kann so neue Dimensionen erobern.
  • Professionelleres Training bietet zum Beispiel die German Cycling Academy mit angeleiteten Trainings von Spitzentrainern. Einfach virtuell mitfahren kann man jederzeit, das richtige Equipment vorausgesetzt – zum Beispiel über Peloton, Zwift und Bkool.
  • Spielerische Formen des eher anspruchsvollen Trainings stecken leider noch in den Kinderschuhen. Klar kann man die Wii oder X-Box ausmotten und so zumindest Kreislauf und Laune in Schwung halten. Mittlerweile hat Nintendo mit Ring Fit auch erste Ansätze von Force Feedback realisiert und Oculus bietet über VR-Brillen anspruchsvolle Immersionen an. Doch es wird höchste Zeit, die Lücke zwischen Sport und E-Sports / Gaming umfassender zu schließen. Sport spielerischer und Spiel sportlicher zu machen liegt schon länger auf der Hand. Konkrete Produktentwicklungen hätten schon längst über den Exotenstatus hinaus entwickelt werden können. Zumal dies ja nicht nur die Motivation adressiert, sondern auch die Möglichkeit besteht, eine nahezu unerschöpfliche Bandbreite an Trainingsreizen zu setzen, spielerischen Wettkampf zu stimulieren und die Wirkungen gleich mit zu protokollieren und die Effekte auszuwerten.

Klassisches Training zu Hause oder bei der Arbeit: Die Umgebung wird neu interpretiert

 Wenn eher Bedarf nach „klassischem“ (Kraft)training besteht, können in vielen Kellern sicher verräumte oder unter dem Bett verstaubende Sportgeräte wieder in Gang und Funktion genommen werden. In vielen Haushalten finden sich Gewichte, Gummibänder, Konditionstrainer und ähnliches mehr. Alternativ kann all das über die verschiedenen Anbieterunternehmen auch beschafft werden: Diese freuen sich unbedingt über Geschäft in schweren Zeiten

Wer nichts davon hat und es auch im normalen Alltag nicht braucht, kann „Trainingsmöglichkeiten“ finden, indem die Umgebung mit neuen Augen interpretiert wird. Dabei wird gleichzeitig der kreative Geist geschult.

  • Zu Hause können Bierkisten, Rucksäcke, Waschwannen oder, für Kraftsportler, die Schrankwand Eiche furniert als „Gewicht“ dienen, Tisch, Türrahmen und Teppichklopfstange für Klimmzüge und Aufschwünge, und Klopapierrollen und Nudelpackungen als Jongliergegenstände für Hand und Fuß genutzt werden.
  • In der Arbeit gibt es Werkzeugkoffer und Keksschachteln, in der Produktion noch Hubwagen und Rohlinge als „Gewichte“. Feste Stühle und umgedrehte Lagerkisten können zum Hochsteigen genutzt werden.
  • Im Garten oder in der Natur sind es Steine, Äste und Bäume, die zum Cross-Training missbraucht werden können.
  • Und natürlich gibt es unabhängig vom Ort die verschiedenen Varianten von Eigengewichtsübungen, neudeutsch als Calisthenics zusammengefasst. Der Körper und seine Teile können als zu bewegendes Gewicht fungieren; auch kann ein Körperteil für den anderen den anpassbaren Widerstand generieren.
  • An TRX angelehntes Schlingentraining bietet mit gebastelten oder gekauften Schlingen vielfältige neue Möglichkeiten; Schlingen können in der Türzarge oder an einem Baum befestigt werden.

Auch jenseits der Nutzung von Schwerkraft kann man erfinderisch sein:

  • Rollwiderstand und Schwerkraft machen Fahrzeuge aller Art zum Trainingsgerät: „Wer seine Fitness liebt, der schiebt…“. Je nach Hangneigung und Fahrzeugklasse können wirklich alle körperlichen Anspruchsgrade adressiert werden.
  • Aus Jutesäckchen und Milchtüten können Kettle Bells, Schleuderbälle usw. einfach gebastelt und die Fliehkraft genutzt werden.
  • Federelastische Kräfte bieten Einweggummis, Fahrradschläuche und alte Stretch-Leggins, die für sich oder in mehr oder weniger abenteuerlichen Konstruktionen mit Gaffer-Tape, Maßkrügen usw. genutzt werden können.
  • Fließendes Wasser bietet Strömungswiderstand; im Bach hinter dem Haus kann Aquajogging, im Wasserfall extremes Klimmzugtraining stattfinden.
  • Auch biologische Kräfte können genutzt werden: Das Gassigehen mit drei Dobermännern trainiert ideal die Antagonisten des Autoschiebens und Physical Distancing ist plötzlich auch ganz einfach.

Auseinander zusammen: Gruppentraining auf Distanz

 Physical Distancing ist aktuell Lösung und Problem zugleich. Zwar verlangsamt sich die Verbreitungsgeschwindigkeit des Virus, aber auch viele der positiven Wirkungen des für Geist, Seele und auch Körper so wichtigen Miteinanders werden deutlich reduziert; mit ebenfalls potenziell erheblichen schädlichen Konsequenzen.

Auch hier könnten kreative Ansätze weiterhelfen. Ob als Vorturner auf dem Garagendach inmitten einer Wohnsiedlung, als Frühstückspausenanimateur auf der Laderampe gegenüber eines Firmen-Bürohauses oder über die Bildschirme in der Produktion sind die Möglichkeiten vielfältig. In kleineren Gruppen geht auch spaßorientiertes Gemeinschaftstraining über eine Videoschaltung. Zu überlegen ist schließlich, ob man auf dem Parkplatz eines Supermarktes oder auf großen Firmenparkplätzen „Physical Distance Zumba“ anbietet; mit markierten Plätzen, die den nötigen Abstand sicherstellen.

Lach dich fit: Weitere Maßnahmen für Körper, Geist und Seele

Neben dem zentralen Fokus der Ideen und Empfehlungen auf mehr Bewegung gibt es noch weitere Aspekte, die jetzt berücksichtigt werden und hier wenigsten kurz angedeutet werden sollten:

  1. Kalorienärmer Essen: Der aktuelle Mangel an Bewegung sorgt notwendigerweise auch für einen niedrigeren Energieverbrauch. Damit sich dieser nicht in zusätzlichen Pfunden niederschlägt, muss das durch eine Kalorienreduktion beim Essen kompensiert werden.
  2. Neue Strukturen und Routinen: Ein verändertes Arbeitsumfeld insbesondere im häuslichen Bereich kann zu mangelnder Orientierung und Fokussierung und dadurch zu Leistungsabfall und mentalen Problemen führen. Neue Ziele, Routinen und Strukturen können dabei helfen, dies zu kompensieren: Starten Sie doch mit einem Morgen-Workout oder Yoga-Sonnengruß in den Tag! Wer den Tiger im Käfig bekämpfen will, für den haben die Experten der Sportpsychologie München ein paar großartige Tipps zusammengestellt.
  3. Mehr Lachen: „Humor ist die Waffe der Seele im Kampf um ihre Selbsterhaltung“ formulierte es der Psychiater Viktor Frankl. Gerade in schwierigen Zeiten sollte man der persönlichen Psyche entsprechend dem Lachen so viel Raum wie möglich geben. Die Lage ist zu ernst, um nicht darüber lachen zu dürfen.
  4. Hoffnung: Irgendwann „normalisieren“ sich die Bedingungen wieder: Es hilft zur geistigen und mentalen Gesundheit unbedingt, sich auf konkrete Momente danach zu freuen und attraktive Aktivitäten zu planen.
  5. Positiver Stress: Für alle, bei denen im beruflichen Alltag punktuell besondere Anforderungen an ihre Leistungsfähigkeit gestellt werden, kann es helfen, sich auch zum Beispiel im Home Office selbsterdachten Stresssituationen zu stellen: Neue Video-Konferenzformate anregen und durchführen oder eine virtuelle Sportstunde zu moderieren sind Beispiele für Maßnahmen, wie die Leistungsfähigkeit erhalten werden kann.

Klick dich fit: Weitere Anregungen finden und dynamisch ergänzen

Die extreme Dynamik der Coronakrise sorgt dafür, dass auch Teile dieses Textes schon überholt sind, bevor er überhaupt zugänglich gemacht werden kann. Wir haben daher eine Plattform entwickelt, auf der verschiedene Anregungen von unterschiedlichen Akteuren dynamisch aktualisiert werden.

https://padlet.com/sportsinnovationnetwork/joyofmovement

Wir würden uns über eine Störkung dieser Dynamik sehr freuen. Bitte teilen Sie uns Ihre Anregungen über E-Mail, facebook, LinkedIn oder padlet mit.

Und zum Schluss – ein gutes Vorbild ist im gesamten Maßnahmenbereich wichtiger denn je. Wenn der Chef seine Bewegungsherausforderungen mit anderen teilt, ist das natürlich ein besonderer Ansporn und Leitbild zugleich. Motivierte, zielorientierte Mitarbeiter sind dann erst recht leistungsfähig und kreativ.

 

Bleiben Sie gesund, fröhlich und leistungsfähig!

<- Zurück zu: News